• PTNS

    Perkutane Tibialis Nerven-Stimulation für Blasenprobleme und chronische Schmerzen

  • Es gibt wenig Therapien, welche keine Nebenwirkungen machen. Mit der "Perkutanen Tibialis Nerv Stimulation" (PTNS) kommen wir dieser Möglichkeit sehr nahe. Wir haben damit eine effektive Behandlungsmöglichkeit, welche so gut wie keine unerwünschten Auswirkungen hat.

    Was ist PTNS

    Bei der PTNS steht der Nervus tibialis posterior, der an der Innenseite des Unterschenkels verläuft, im Zentrum der Behandlung. Mit einem feinen Reizstrom wird dieser Nerv stimuliert. Dieser Nerv hat eine direkte Verbindung zum sogenannten Sakralplexus im unteren Rücken – dem wichtigsten Schaltzentrum für die Steuerung von Blase, Darm und Beckenboden.

    Eine Stimulation mit Reizstrom ist ein gut bekanntes Prinzip, welches in der Schmerztherapie als "Transkutane Elektrische Nervenstimulation" (TENS) angewendet wird. Dabei werden Klebe-Elektroden verwendet, welche an verschiedenen Stellen auf die Haut aufgeklebt werden können.

    Das besondere bei der PTNS ist, dass die Strom-Anwendung durch die Haut geht: mit einer Art Akupunktur-Nadel wird im Bereich, wo der posteriore Tibialis-Nerv verläuft, eingestochen. Damit kann der Reizstrom gezielter und besser angewendet werden.

    PTNS Perkutane Tibialis Nerven Stimulation in Bern

    Das Funktionsprinzip

    Bei Erkrankungen wie der Reizblase oder chronischen Schmerzen senden die Nerven im Becken oft "falsche" oder überaktive Signale an das Gehirn.

    Bei der PTNS wird eine hauchdünne Nadel (ähnlich einer Akupunkturnadel) in die Nähe des Nervs am Knöchel gesetzt. Über ein kleines Gerät werden feine elektrische Impulse gesendet. Diese Impulse wandern das Bein hinauf zum Sakralplexus und "modulieren" dort die Nervenaktivität.

    Warum PTNS statt Klebeelektroden (TENS/TTNS)

    Vielleicht kennen Sie TENS-Geräte für den Heimgebrauch, bei denen Elektroden auf die Haut geklebt werden. Auch für den Tibialis-Nerv gibt es eine Variante mit Klebepads (TTNS). Warum nutzen wir also eine Nadel?

    Der entscheidende Vorteil der PTNS liegt in der Präzision und Tiefe.

    Unsere Haut besitzt einen natürlichen elektrischen Widerstand, der als Schutzbarriere wirkt. Bei der Behandlung mit Klebeelektroden muss der Strom diese Barriere durchdringen, wodurch das Signal abgeschwächt oder gestreut wird, bevor es den Nerv erreicht. Die feine Nadel bei der PTNS umgeht die Hautbarriere. Der Impuls gelangt direkter an den Nerv.

    Klinische Studien (z. B. bei chronischen Beckenschmerzen) deuten darauf hin, dass diese direkte Stimulation oft effektiver ist, um Schmerzen nachhaltig zu lindern, da sie die tieferliegenden Nervenzentren im Rückenmark gezielter erreicht als eine oberflächliche Behandlung.

    Wofür wird PTNS eingesetzt?

    Ursprünglich für Blasenfunktionsstörungen entwickelt, zeigt die Forschung mittlerweile, dass PTNS bei einer Vielzahl von Beschwerden im Beckenbereich wirksam sein kann.

    1. Blasenfunktionsstörungen (überaktive Blase, Inkontinenz, interstitielle Zystitis)

    Dies ist das Haupteinsatzgebiet der PTNS. Sie hilft Patienten, die unter ständigem Harndrang leiden oder die Kontrolle über ihre Blase verloren haben.

    Überaktive Blase (OAB): Reduktion von plötzlichem, unkontrollierbarem Harndrang und häufigen Toilettengängen (auch nachts).

    Dranginkontinenz: Hilft, den ungewollten Urinverlust zu verhindern, der durch plötzlichen Drang entsteht.

    Nicht-obstruktiver Harnverhalt: Unterstützt die Blase dabei, sich wieder besser zu entleeren, wenn keine mechanischen Blockaden vorliegen.

    2. Chronische Schmerzen durch Endometriose und interstitielle Zystitis

    Schmerzen im Beckenbereich insbesondere durch Endometriose können schwierig zu beeinflussen sein. PTNS kann helfen, diese Reizleitung zu unterbrechen ("Gate-Control-Theorie") und die Schmerzwahrnehmung zu lindern.

    Interstitielle Zystitis / Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS): Lindert den chronischen Druckschmerz der Blase und reduziert den damit verbundenen Harndrang.

    Endometriose & Dysmenorrhoe: Neuere Studien zeigen, dass PTNS auch bei zyklusabhängigen Schmerzen und Endometriose helfen kann, indem es die Übererregbarkeit der Gebärmutter und des umliegenden Gewebes beruhigt.

    3. Stuhlinkontinenz

    Ähnlich wie bei der Blase werden auch der Enddarm und der Schließmuskel vom Sakralplexus gesteuert. PTNS kann helfen, die Signalkontrolle zum Darm zu verbessern und so ungewollten Stuhlverlust zu reduzieren.

    Wie läuft eine Behandlung ab?

    Eine Sitzung dauert in der Regel 30 Minuten und findet ambulant in unserer Praxis statt.

    Sie sitzen bequem auf einem Stuhl. Die dünne Nadel wird am Knöchel platziert (dies ist typischerweise schmerzfrei). Sie spüren während der Stimulation ein leichtes Kribbeln oder Pulsieren im Fuss, aber keine Schmerzen.

    Üblicherweise wird eine Serie von 12 wöchentlichen Sitzungen durchgeführt. Der Effekt kann danach anhaltend positiv sein, manchmal ist es aber auch sinnvoll, in grösseren Abständen eine sog. Erhaltungstherapie weiterzuführen.

    Terminbuchung

    Für die Terminbuchung kontaktieren Sie uns bitte telefonisch: 031 533 55 22.

    Kosten

    Die Kosten für die PTNS werden von der Grundversicherung übernommen.