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Lichen sclerosus
Lichen sclerosus - eine häufige Erkrankung, häufig ignoriert
Der Lichen sclerosus (LS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung (eine Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Gewebe angreift), deren Ursache letztlich unklar ist. Er betrifft vor allem den Intimbereich von Frauen und Männern. Obwohl die Erkrankung relativ häufig vorkommt – Schätzungen liegen bei bis zu 1 von 30 Frauen in allgemein gynäkologischen Praxen – bleibt sie oft lange Zeit unentdeckt oder wird aufgrund mangelnden Wissens ignoriert.
Symptome und Diagnose
Die Erkrankung äussert sich initial oft durch chronischen Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Intimbereich. Dies führt regelmässig zu Verwechslungen mit Vaginalpilz, weshalb bei therapieresistenten Pilzinfektionen immer an LS gedacht werden sollte.
Charakteristische Gewebeveränderungen und Symptome sind:
- Atrophie: Rückbildung der Gewebestrukturen (Schwund des Gewebes), insbesondere der kleinen Schamlippen.
- Agglutinationen: Vernarbungen und Verklebungen, häufig im Bereich der Vorhaut (Präputium) oder der Klitoris.
- Sklerose: Die Haut wird unelastisch und verhärtet (vernarbt).
- Leukoplakie: Weissliche Plaques (hellere, oft verdickte Hautstellen) oder Pigmentverlust.
- Fissuren und Stenosen: Es entstehen feine Einrisse (Fissuren) und eine zunehmende Verengung des Scheideneinganges (Stenose), was zu Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) führt.
Zur Diagnose dient primär der Lichen-Score nach Prof. Andreas Günthert, ein Bewertungssystem, das klinische Kriterien wie Gewebeschwund, Verengungen und Einrisse beurteilt. Ab einem Wert von 4 gilt die Diagnose als sehr wahrscheinlich.
Die Rolle der Biopsie
Eine Biopsie (Gewebeentnahme zur Untersuchung) ist zur Diagnosestellung nicht standardmässig notwendig. Sie kann sogar kontraproduktiv sein, da die mechanische Verletzung in einem entzündeten Areal eine zusätzliche Entzündungsreaktion auslösen kann.
Sie ist jedoch in folgenden Fällen zwingend erforderlich:
- Verdacht auf Neoplasien: Wenn der Verdacht auf Krebsvorstufen oder ein Vulvakarzinom (Hautkrebs im äusseren Intimbereich) besteht.
- Therapieresistenz: Wenn entzündliche Veränderungen trotz konsequenter Behandlung nicht zurückgehen.
Therapieansätze
Die Behandlung des Lichen sclerosus ruht auf zwei Hauptsäulen:
1. Entzündungshemmung
Standard ist die lokale Anwendung eines stark wirksamen Kortison-Derivats (meist Clobetasolpropionat).
- Initialphase: Dreimonatige tägliche Anwendung.
- Erhaltungsphase: Zweimal wöchentliche Anwendung zur Stabilisierung.
- Alternativen: Calcineurin-Inhibitoren (Wirkstoffe, die das Immunsystem lokal dämpfen), die jedoch oft weniger wirksam sind als Kortison
2. Hautpflege
Eine konsequente Rückfettung der Haut ist essenziell, um die Elastizität zu erhalten. Empfohlen werden hypoallergene Pflegecremes (Emulsionen).
Risiken und Begleiterkrankungen
Ein zentraler Aspekt des Lichen sclerosus ist das erhöhte Risiko für ein Vulvakarzinom.
Wichtig zur Einordnung des Krebsrisikos:
- Prävention durch Therapie: Das Krebsrisiko kann durch eine konsequente, lebenslange Therapie massiv gesenkt werden. Dies ist – neben der Beschwerdefreiheit – der entscheidende Grund für die disziplinierte Anwendung der Medikamente.
- Keine lebenslange Angst: Wer seinen LS im Griff hat und konsequent behandelt, muss nicht in ständiger Angst vor Krebs leben. Die Entzündung wird kontrolliert, was die Entstehung von bösartigen Zellveränderungen verhindert oder zumindest deutlich reduziert.
- Früherkennung: Ein Karzinom entsteht meist nicht "heimlich", sondern ist durch sichtbare Veränderungen erkennbar. Daher sind jährliche Kontrolluntersuchungen (ggf. mittels Kolposkopie, einer Untersuchung mit einer Lupenoptik) sehr sinnvoll.
Zudem treten häufig weitere Begleiterkrankungen auf, wie Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Schilddrüsenerkrankungen oder die interstitielle Zystitis (eine chronische, nicht-infektiöse Blasenentzündung). Aufgrund der kleinsten Hauteinrisse besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Kondylome (Feigwarzen).
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